Pressestimmen

Mannheimer Morgen, 16.10.01

Unter einem poetischen Stern

Konzert: "Musik und Literatur" im Reiß-Museum

Zu einem Abend mit "Musik und Literatur im Museum" hatte das Mannheimer Reiß-Museum in den Florian-Waldeck-Saal geladen: Perfekt vereint sind Ton und Wort im Kunstlied, und so stand denn auch der Liederabend mit den Mannheimer Künstlern Christine Brenk und Peer Findeisen unter einem besonders poetischen Stern.

Mit Liedern von Edvard Grieg, Othmar Schoeck, Claude Debussy und Richard Strauss zauberte das Duo eine spätromantisch-herbstliche Stimmung in den Saal; hat doch diese "dynamische" Jahreszeit die Komponisten immer wieder zu mitreißenden Werken inspiriert. So etwa Griegs Herbststurm: Mit dramatischem Duktus wird das Sterben der Natur in Töne gesetzt. Hier stellten die beiden Künstler ihr perfektes Zusammenwirken unter Beweis: Peer Findeisens Klavierspiel ist hoch virtuos, ohne aufdringlich zu sein, dennoch eine zuverlässige Stütze für Christine Brenks dramatischen Sopran, der den Saal zuweilen in eine Opernbühne zu verwandeln schien: Klar und strahlend in der Höhe, warm und samten im tiefen Register, lotet ihre Stimme die feinsten Regungen dieser hoch romantischen Musik aus.

Endzeit-Stimmung herrscht zuweilen auch in den Liedern des Schweizer Komponisten Othmar Schoeck: Durch verschlungene Harmonik bewegen sich Erinnerung nach Eichendorff oder Goethes Herbstgefühl; eine gewisse alpine Schwere scheint auf den Werken zu liegen.

Dagegen scheint in Claude Debussys Fünf Liedern nach Paul Bourget der Duft direkt dem Flügel zu entsteigen: Unvergleichlich diese impressionistische Tonkunst, welche mit süffigen Akkorden die Welt des Fin de siècle einfängt. Hieran hatten die Künstler sichtlich Vergnügen, zeigten sich in Bestform. Ein Hochgenuss!

Ähnlich emphatisch gibt sich Richard Strauss´ Liedschaffen: Ob mit unverhohlener Dramatik in Nichts oder mit eher subtiler Schlichtheit in Ich trage meine Minne - von den Interpreten wird opernbühnenreife Präsenz verlangt. Hier zeigte sich nochmals Christine Brenks darstellerisches Talent. Und beim fast skurril-naiv gehaltenen Schlechten Wetter nach Heinrich Heine konnte man abermals Findeisens pianistische Kunst bewundern. Das Publikum feierte mit Ovationen.

acs